Die Ressourcen des Augenblicks

Die Ressourcen des Augenblicks
Kunstprojekt
Hommage an John Cage
Halberstadt 2006

John Cage gehörte zu den einflussreichsten und wichtigsten Komponisten des letzten Jahrhunderts. Ausgehend von anarchistischen und zen-buddhistischen Grundgedanken durchbrach Cage immer wieder die Grenzen der traditionellen Musik und entwickelte im Gegensatz dazu die Theorie und Praxis einer in sich herrschaftsfreien, neuartigen Musik. Unter anderem trug er wesentlich zur Eingliederung des Geräusches in die Musik bei, entwickelte offene Kompositionsformen, begründete das Happening als Ausdrucksform und setzte sich in seiner ganz eigenen Weise immer wieder mit der Stille auseinander. John Cage komponierte im Jahr 1985 das Stück ORGAN2/ASLSP, abgekürzt als „as slow as possible“ mit Hilfe eines Zufallsprogramms mit dem Computer. As slow as possible ist die Anweisung, die achtseitige Partitur so langsam wie möglich zu spielen.

Bei einem Orgelsymposium im Jahr 1997 in Trossingen entstand die Idee, die Angabe as slow as possible noch wörtlicher als bei der Uraufführung zu nehmen. Die Wahl für den Aufführungsort fiel auf Halberstadt, da im Halberstädter Dom 1361 eine der ältesten dokumentierten Orgeln der Neuzeit gebaut wurde. Die gotische Orgel des Domes zu Halberstadt wird von den Organisatoren als „erste Großorgel der Welt“ bezeichnet. Da der Dom jedoch als Gotteshaus genutzt wird, wich man auf die seinerzeit ungenutzte Sankt-Burchardi-Kirche im ehemaligen Kloster Sankt Burchardi aus.

Die achtseitige Partitur wurde für die Aufführung auf die angestrebte Spieldauer von 639 Jahren hochgerechnet. Dieser Zeitraum ergab sich aus der Differenz des Einbaus der alten (nicht erhaltenen) Domorgel von 1361 in den Halberstädter Dom und dem zunächst geplanten Aufführungsbeginn im Jahre 2000. Der Bogen spannt sich also von 1361 über 2000 in das Jahr 2639. Die tatsächliche Aufführung des Werkes konnte jedoch aufgrund von Verzögerungen erst am 5. September 2001 beginnen und soll demgemäß auch erst im Jahr 2640 enden.

Die Ressourcen des Augenblicks

Wie kann ich die Beschleunigung des Lebens entgegensteuern, also wieder langsamer werden oder sogar zur Langsamkeit zurückkehren?

Das Streben nach Verlangsamung brachte mich dazu das Kunstprojekt „Die Ressourcen des Augenblickes“ in dem Zeitraum von 11 Monaten zu entwerfen und in Halberstadt umzusetzen.

Für den Entwicklungsprozess verwendete ich die Methode der „Visuellen Planung“, die aus mehreren Leinwänden und Arbeitsblättern besteht.

Diese begehbare Skulpturengruppe hilft den Betrachter die Auseinandersetzung mit sich selbst zu erfahren und sich Fragen zu stellen wie:

  • Kann man Vergängliches wiederherstellen?
  • Was ist wichtig für eine Entscheidung?
  • Wo finde ich Halt?
  • Wie kann ich entschleunigen?

Andererseits darf der Betrachter erfahren, dass:

  • „Das Undefinierbare verunsichert“
  • „Das Loslassen von sich selbst befruchtet die Intuition“
  • „Die Sammlung von zusammengehörenden Dingen definieren das Lot“
  • „Bedrohung durch Entschleunigung“
  • „Vertrauen ist Selbstvertrauen“